Ein Airbrush-Motiv auf der Motorhaube, ein Schriftzug auf der Werkstattwand, ein Logo auf mattem Holz — der Unterschied zwischen „selbst gemacht" und „professionell" liegt fast immer an einer Sache: den Kanten. Und die entscheidet nicht die Farbe, sondern die Schablone. Mit einer geplotteten ORAMASK 810 Schablonierfolie bekommst du gestochen scharfe Konturen, die mit Pinsel oder Klebeband nie möglich wären. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch das Schablonieren — vom Reinigen bis zum rückstandsfreien Abziehen.
- ORAMASK 810 ist eine Mal- und Spritzschablone. Sie maskiert die Fläche, du lackierst, sprühst oder airbrushst nur das offene Motiv.
- Trocken verkleben ab 10 °C. ORAFOL gibt eine minimale Verklebungstemperatur von 10 °C an; die Folie ist nicht für Nassverklebung geeignet.
- Die Kante ist alles. Schnittkanten sorgfältig versiegeln, sonst unterläuft Farbe — das häufigste Problem beim Schablonieren.
- Dünne Farbschichten statt einer dicken — so bleibt die Kontur scharf.
- Rückstandsfrei abziehen, solange die Farbe noch nicht komplett durchgehärtet ist. Ablösbarer, wasserbasierter Kleber (rund 1 N/25 mm).
Was ORAMASK 810 ist — und was nicht#
Bevor es losgeht, kurz zur Einordnung, denn hier verwechseln viele zwei ganz unterschiedliche Dinge. Eine normale Plotterfolie wie ORACAL 651 oder 751C bleibt am Ende auf dem Objekt — sie ist das fertige Motiv. Eine Schablonierfolie ist das Gegenteil: Sie ist eine verlorene Maske. Du klebst sie auf, trägst Farbe auf und ziehst sie wieder ab. Übrig bleibt nicht die Folie, sondern die Farbe dort, wo die Folie eine Öffnung hatte.
ORAMASK 810 ist laut ORAFOL eine transluzente, grau eingefärbte Schablonenfolie mit matter Oberfläche aus teilpolymerem PVC, rund 0,08 mm dünn. Genau diese leichte Transparenz ist im Alltag Gold wert: Du siehst den Untergrund durch die Folie hindurch und kannst die Schablone exakt positionieren. Der Kleber ist wasserbasiert und ablösbar, mit geringer Klebkraft von etwa 1 N/25 mm — stark genug, damit keine Farbe unterläuft, schwach genug, um rückstandsfrei wieder abzugehen.
Die Einsatzbereiche laut Hersteller: Fahrzeugbeschriftung, Schablonenmalerei, Werbeanwendungen und Messebau, auf ebenen ebenso wie auf unebenen und leicht gewölbten Flächen. Damit deckt die 810 die klassischen DIY- und Profi-Projekte ab — Wanddesign, Holzschilder, Glasdekor, Airbrush auf Fahrzeugteilen, Sprühfarben-Logos.
Ein Punkt zur Ehrlichkeit: ORAMASK 810 ist eine Mal- und Spritzschablone, keine Sandstrahlfolie. Für kräftiges Sandstrahlen — etwa tiefe Glasgravuren oder Steinbearbeitung — braucht es eine dedizierte, deutlich dickere Sandstrahlfolie. Fürs Lackieren, Sprühen und Airbrushen ist die 810 dagegen genau richtig.
810 oder 810S — welche Schablonierfolie?#
Im Shop führen wir beide Varianten, und die Wahl ist schnell erklärt:
- ORAMASK 810 — wasserbasierter Kleber, wird trocken verklebt. Die flexible Folie schmiegt sich gut an unebene und leicht gewölbte Untergründe an. Der Allrounder für die meisten Airbrush- und Sprühfarben-Projekte.
- ORAMASK 810S — lösemittelbeständiger Kleber. Sie verträgt lösemittelbasierte Farben besser (die einen Acrylkleber sonst anlösen könnten) und lässt sich auf glatten, versiegelten Flächen auch nass verkleben.
Als Faustregel: Wer mit wasserbasierten Farben, Acryllack oder Sprühdosen arbeitet und einen unebenen Untergrund hat, nimmt die 810. Wer aggressive lösemittelbasierte Lacke einsetzt oder auf grosser, glatter Glasfläche nass positionieren will, greift zur 810S. Diese Anleitung gilt für beide — der einzige Unterschied liegt in der Verklebungsart (trocken bei der 810).
Was du brauchst#
Schablonieren braucht kein grosses Atelier, aber sauberes Werkzeug:
- Schneideplotter — zum Ausschneiden der Schablone
- Entgitterhaken oder Pinzette — zum Freilegen der zu lackierenden Flächen
- Übertragungsfolie / Application Tape — um die Schablone als Ganzes zu übertragen
- Filzkantiger Rakel (Squeegee) — der Filz schützt die Oberfläche
- Isopropanol und fusselfreies Tuch — zum Entfetten
- Abklebeband und Abdeckpapier — um die Umgebung vor Sprühnebel zu schützen
- Lack, Sprühfarbe oder Airbrush-Farbe deiner Wahl
Bei der Übertragungsfolie kommt es auf die Klebkraft an — sie muss stärker als die geringe Klebkraft der Schablone sein, damit sie die Stege sicher aufnimmt, aber nicht so stark, dass sie die feinen Teile verzieht. Welche Application-Tape-Klasse zu welchem Motiv passt, klärt der Ratgeber Application Tape und Transferfolie richtig wählen. Im Shop führen wir dazu live verfügbare Übertragungsfolie.
Schablonieren mit ORAMASK 810 — Schritt für Schritt#
Schritt 1: Untergrund reinigen und Temperatur prüfen#
Wie bei jeder Folie entscheidet der Untergrund über das Ergebnis. Reinige die Fläche gründlich von Staub, Fett, Silikon und Trennmitteln. Wisch zum Schluss mit Isopropanol ab und lass alles vollständig trocknen. ORAFOL weist ausdrücklich darauf hin: Frisch lackierte oder gestrichene Flächen müssen vollständig ausgehärtet sein, bevor du die Schablone aufbringst — sonst reisst der Kleber später Farbe mit ab.
Achte auf die Temperatur: Die minimale Verklebungstemperatur der ORAMASK 810 liegt bei 10 °C. Darunter greift der ablösbare Kleber zu schwach, und die Schablone hebt sich an den Kanten — die Einladung für Farbunterläufer. Im Winter also nicht in der kalten Garage arbeiten, sondern Raum und Objekt vorher temperieren.
Schritt 2: Motiv plotten und Schablone entgittern#
Plotte dein Motiv als Schablone. Wichtig ist hier ein Denkfehler, der Anfängern oft passiert: Beim Beschriften entgitterst du den Rand weg und behältst die Buchstaben. Beim Schablonieren ist es umgekehrt — du entfernst genau die Flächen, die später Farbe bekommen sollen, und lässt die Maske drumherum stehen.
Setz den Entgitterhaken an und ziehe die Motivflächen vom Träger ab. Denk an die Stege: Bei Buchstaben wie A, O oder R schwebt die Innenfläche frei — sie muss über kleine Brücken mit dem Rest der Schablone verbunden bleiben, sonst fällt sie beim Verkleben heraus. Gute Plott-Software fügt solche Stege automatisch ein; bei filigranen Motiven lohnt sich der Blick darauf vor dem Schneiden. Arbeite bei seitlichem Licht, dann siehst du die Schnittkanten besser.
Schritt 3: Übertragungsfolie aufziehen#
Damit die Schablone als Ganzes — mit allen freistehenden Stegen — an ihren Platz kommt, brauchst du die Übertragungsfolie. Schneide ein Stück Application Tape etwas grösser als die Schablone zu, leg es von einer Seite her auf und rakle von der Mitte nach aussen fest an. So schliesst du keine Luft ein und alle Teile werden sicher aufgenommen.
Kontrolliere danach, ob wirklich jedes Element — vor allem die feinen Stege und Innenflächen — an der Übertragungsfolie hängt. Ein Steg, der auf dem Träger zurückbleibt, ruiniert später die Kontur.
Schritt 4: Schablone positionieren und trocken verkleben#
Jetzt wird ausgerichtet — und zwar bevor du das Trägerpapier löst. Leg das ganze Sandwich aus Übertragungsfolie, Schablone und Träger an die gewünschte Stelle. Die leichte Transparenz der ORAMASK 810 hilft dir, exakt zu positionieren. Fixier das obere Ende mit einem Streifen Klebeband als Scharnier.
Klapp dann die Folie hoch und zieh das Trägerpapier im flachen Winkel ab. Die ORAMASK 810 wird trocken verklebt — sie ist nicht für die Nassverklebung geeignet. Leg die Schablone vom Scharnier aus langsam auf und rakle von der Mitte nach aussen, damit keine Luftblasen entstehen. (Nur die 810S liesse sich auf glatten Flächen auch nass positionieren — die Standard-810 nicht.)
Schritt 5: Ränder versiegeln und andrücken#
Das ist der wichtigste Schritt der ganzen Anleitung. Geh mit der Rakelkante jede einzelne Schnittkante des Motivs nach und drück sie fest an. Die Kante ist die Grenze zwischen scharfer Kontur und verlaufenem Rand: Wo die Folie nicht satt anliegt, kriecht Farbe unter die Schablone — der klassische Fehler, der aus einem sauberen Logo einen unscharfen Fleck macht.
Nimm dir hier bewusst Zeit. Gerade bei feinen Spitzen, engen Radien und den Stegen von Buchstaben lohnt sich jeder Andruck doppelt. Ein Fingernagel oder ein kleiner Andruckstift hilft an Stellen, wo der Rakel zu breit ist.
Schritt 6: Lackieren, sprühen oder airbrushen#
Bevor Farbe fliegt: Umgebung abkleben. Sprühnebel geht weiter, als man denkt — deck die Fläche rund um die Schablone grosszügig mit Abdeckpapier und Abklebeband ab.
Dann die Kernregel: dünne Schichten statt einer dicken. Mehrere leichte Farbaufträge mit Zwischentrocknung unterwandern die Kante deutlich weniger als ein einziger satter Auftrag, der als Pfütze unter die Folienkante drückt. Beim Airbrushen hältst du den Winkel möglichst senkrecht zur Fläche — schräges Sprühen treibt Farbe unter die Kante. ORAFOL empfiehlt ausserdem, die Kompatibilität von Lack und Folie vorab an einem Reststück zu testen, besonders bei lösemittelhaltigen Farben.
Schritt 7: Schablone rückstandsfrei abziehen#
Der letzte Schritt hat ein Timing-Geheimnis: Zieh die Schablone ab, solange die Farbe noch nicht vollständig durchgehärtet ist — also grifffest, aber nicht komplett durch. Wartest du zu lange, kann die Farbe über die Kante eine geschlossene Haut bilden und beim Abziehen ausfransen. Bei chemisch härtenden Lacken, die eingebrannt werden, gilt die klare Herstelleransage: Schablone vor dem Einbrennen entfernen.
Zieh die Folie flach im spitzen Winkel ab, nicht gerade nach oben. Der ablösbare, wasserbasierte Kleber der ORAMASK 810 geht bei sachgemässer Anwendung rückstandsfrei ab. Ein Hinweis von ORAFOL noch: Auf frisch lackierten oder porösen Oberflächen kann die Folie Kleberreste hinterlassen, wenn sie zu lange liegen bleibt — lass eine fertige Schablone also nicht tagelang stehen.
Die häufigsten Fehler beim Schablonieren#
Aus der Praxis die Stolpersteine, die das Ergebnis am meisten kosten:
- Kanten nicht versiegelt. Der Hauptgrund für unscharfe Motive. Jede Schnittkante gehört fest angedrückt, bevor die erste Farbe fliegt.
- Zu dick gesprüht. Eine satte Schicht drückt als Pfütze unter die Folie. Lieber mehrere dünne Aufträge.
- Zu kalt gearbeitet. Unter 10 °C hält der Kleber nicht sauber — Raum und Objekt temperieren.
- Untergrund nicht ausgehärtet. Frischer Lack darunter reisst beim Abziehen mit. Vollständig trocknen lassen.
- Zu spät abgezogen. Durchgehärtete Farbe franst an der Kante aus. Abziehen, solange sie noch nicht komplett durch ist.
Das Grundhandwerk — entgittern, Übertragungsfolie aufziehen, blasenfrei rakeln — ist übrigens dasselbe wie beim normalen Beschriften. Wer die Technik von Grund auf üben will, findet sie in der Anleitung zum Plotterfolie verkleben. Und wenn du noch unsicher bist, welche Folie überhaupt zu deinem Projekt passt — Beschriftungsfolie zum Draufkleben oder Schablonierfolie zum Lackieren — hilft der Vergleich der ORACAL-Plotterfolien bei der Einordnung. Den nötigen Andruck und die Rakelführung vertieft der Ratgeber zur Rakeltechnik.
FAQ — häufige Fragen zum Schablonieren mit ORAMASK 810#
Bei welcher Temperatur verklebt man ORAMASK 810? ORAFOL nennt eine minimale Verklebungstemperatur von 10 °C. Die Folie wird trocken verklebt und ist nicht für die Nassverklebung geeignet. Unter 10 °C greift der Kleber zu schwach und die Schablone hebt sich an den Kanten.
Lässt sich ORAMASK 810 rückstandsfrei entfernen? Ja, dank wasserbasiertem, ablösbarem Kleber mit geringer Klebkraft (rund 1 N/25 mm). ORAFOL weist aber darauf hin, dass auf frisch lackierten oder porösen Flächen Kleberreste bleiben können, wenn die Folie zu lange liegt — also nicht tagelang stehen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen ORAMASK 810 und 810S? Die 810 hat einen wasserbasierten Kleber und wird nur trocken verklebt — ideal für flexible, unebene Untergründe. Die 810S hat einen lösemittelbeständigen Kleber, verträgt lösemittelbasierte Farben besser und lässt sich auf glatten Flächen auch nass verkleben.
Kann man mit ORAMASK 810 auch sandstrahlen? ORAMASK 810 ist eine Mal- und Spritzschablone für Lack, Sprühfarbe und Airbrush. Für kräftiges Sandstrahlen brauchst du eine dedizierte, dickere Sandstrahlfolie. Fürs Lackieren und Sprühen auf Wand, Holz, Glas, Metall und Fahrzeugteilen ist die 810 das richtige Material.
Quellen
- DatenblattORAFOL — ORAMASK 810 Stencil Film — Technisches Datenblatt (Europe) (2026) · abgerufen 2026-07-10
- DatenblattORAFOL — ORAMASK 810 Stencil Film — Technical Datasheet (Americas) (2026) · abgerufen 2026-07-10
