Eine Komplettfolierung mit PPF ist beeindruckend, aber für die meisten Fahrer Overkill. Die Frage, die sich in der Praxis viel öfter stellt, lautet: Welche Stellen am Auto lohnen sich wirklich für eine Steinschlagschutzfolie — und welche kannst du dir sparen? In diesem Artikel zeigen wir dir die etablierten Teilfolierungs-Pakete am Markt 2026, welche Bereiche tatsächlich von Steinschlag betroffen sind, was eine Teilfolierung in der Schweiz kostet und welche Stellen du gar nicht erst folieren darfst.
- Front zuerst: Rund 70–80 % der Steinschläge treffen Motorhaube, Stossstange, vordere Kotflügel und Spiegel — Front-Pakete sind das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
- Vier Standard-Pakete 2026: Partial Front (Einstieg), Full Front (komplette Front), Track Package (Front + Schweller + hintere Radläufe), Full Body
- CH-Preisrahmen: Partial Front ab CHF 850, Full Front CHF 1'870–3'500, Track Pack CHF 2'500–4'500, Full Body CHF 3'000–8'000+
- Was sich ausserdem lohnt: Türgriffmulden, Türkanten, Ladekante, Dachkante an der Frontscheibe — alles preiswerte Einzelmodule
- Was du nicht folieren darfst (CH): Scheinwerfer und Rückleuchten — VTS Art. 73, MFK-Beanstandung, Bussen bis CHF 700

Warum Teilfolierung statt Full Body?#
Full-Body-PPF ist das Premium-Endprodukt der Branche. Aber die meisten Steinschläge treffen nicht das ganze Auto, sondern einen klar begrenzten Teil davon. Wer sein Budget effizient einsetzt, foliert genau diesen Teil — nicht mehr, nicht weniger.
Drei Gründe sprechen für Teilfolierung statt Komplettfolierung:
- Steinschläge konzentrieren sich auf die Front. Werkstattpraxis und Branchenstatistiken sprechen von rund 70–80 % aller sichtbaren Steinschlagschäden im vorderen Drittel des Fahrzeugs. Was hinter der A-Säule passiert, ist meist kosmetischer Natur (Kratzer, Türkanten-Macken) und nicht Steinschlag-getrieben.
- Preisunterschied ist gross. Full Body kostet in der Schweiz oft 4–6× mehr als ein Front-Paket. Wer nur den Teil schützt, der wirklich Treffer abbekommt, gibt einen Bruchteil aus und schützt 80 % der Risikoflächen.
- Demontageaufwand bleibt überschaubar. Eine Teilfolierung lässt sich in 1–2 Tagen umsetzen, eine Komplettfolierung dauert 2–7 Tage und erfordert ein deutlich grösseres Fahrzeug-Stillstands-Budget.
Genau diese Kombination — Kotflügel, Haube, Stossstange, Spiegel — ist das, was der Markt heute als „Front-Paket" verkauft. Die einzelnen Hersteller (XPEL, STEK, SunTek, 3M Scotchgard, Hexis Bodyfence, Oracal/Oraguard) bieten dazu standardisierte Zuschnitt-Pakete an, sogenannte Pre-Cut-Kits, die fahrzeugspezifisch passend gemacht werden.
Die vier etablierten PPF-Pakete 2026#
Die Branche hat sich seit 2023 auf ein klares 4-Stufen-System eingependelt. Wer heute zur Werkstatt geht, hört diese vier Begriffe:
| Paket | Was wird foliert | Wer profitiert | Richtpreis CH 2026 |
|---|---|---|---|
| Partial Front | Vordere Stossstange + vorderes Drittel Motorhaube + Kotflügelkante + Spiegel | Stadtfahrer, kurze Strecken, Budget-Einstieg | CHF 850–1'800 |
| Full Front | Komplette Motorhaube + Kotflügel + Stossstange + Spiegel | Pendler, Mittelstreckenfahrer, häufig Autobahn | CHF 1'870–3'500 |
| Track Package | Full Front + Schweller + hintere Radläufe + unterer Türbereich | Sportwagen, Track-Days, Saisonfahrer | CHF 2'500–4'500 |
| Full Body | Alle lackierten Aussenflächen | Premium-Fahrzeug, Leasing-Rückgabe, Wiederverkauf | CHF 3'000–8'000+ |
Partial Front ist der Einstieg. Du bekommst Schutz dort, wo am meisten Steinschläge ankommen — aber mit einer sichtbaren Kante in der Mitte der Motorhaube. Bei dunklen Lacken kann diese Kante bei bestimmten Lichtverhältnissen auffallen, bei hellen Lacken meist nicht.
Full Front löst genau dieses Kantenproblem: Die Folie geht über die ganze Haube bis zum Übergang Frontscheibe und über die kompletten Kotflügel bis zur A-Säule. Es gibt keine sichtbare Mittelkante. Dieses Paket ist heute das Standard-Mittelmass und das, was die meisten Werkstätten als „Front Kit" verkaufen.
Track Package stammt ursprünglich aus dem Sportwagen-Segment und wurde von XPEL als Marken-Begriff etabliert. Es schützt zusätzlich die Schweller (Steinschlag vom Vorderrad), die hinteren Radläufe (Schmutz und Schotter beim Beschleunigen) und den unteren Türbereich. Sinnvoll bei tiefergelegten Fahrzeugen, Sportwagen und Vielfahrern auf schlechten Strassen.
Full Body ist das Maximum: Jede lackierte Fläche bekommt PPF. Sinnvoll bei sehr hochwertigen Fahrzeugen (Premium-Sportwagen, exklusive SUV), bei Leasing-Verträgen mit strengen Rückgabe-Bedingungen oder wenn du den Wiederverkaufswert maximal schützen willst. Detailbegründungen und Rentabilitäts-Rechnung dazu findest du im Artikel Lohnt sich Lackschutzfolie?.
Welche Einzelstellen lohnen sich besonders?#
Auch ohne ein vollständiges Paket gibt es Bereiche, an denen sich PPF einzeln lohnt. Aus der Werkstattpraxis und dem PPF-Skript Fulltime von Simon Schläpfer (S. 8) sind das vor allem:
| Stelle | Warum es sich lohnt | Richtpreis CH (Einzelteil) |
|---|---|---|
| Vordere Stossstange | Hauptanlaufstelle für Steinschläge | CHF 500–900 |
| Motorhaube vorn | Steine, die über die Stossstange kommen | CHF 400–800 |
| Kotflügelkanten | Drahtschnitt, schmale Kanten reissen schnell | CHF 200–450 |
| Spiegel | Insekten, Steinkontakt beim Vorbeifahren | CHF 150–300 |
| Türgriffmulden | Fingernägel, Schlüssel, Schmuck | CHF 80–180 |
| Türkanten | Stoss durch Nachbartüren auf Parkplätzen | CHF 100–250 |
| Ladekante (Kofferraum) | Kratzer durch Gepäck, Einkäufe | CHF 100–200 |
| Dachkante an Frontscheibe | Steinschläge bei höheren Geschwindigkeiten | CHF 150–300 |
| Schweller (vorn unten) | Steine vom Vorderrad | CHF 200–500 |
| Hintere Radläufe | Schmutz/Schotter beim Beschleunigen | CHF 250–500 |
Wer sein Budget streckt, kombiniert oft so: Partial Front + Türgriffmulden + Ladekante — drei der häufigsten Schadensursachen für unter CHF 1'500 abgedeckt. Das ist eine Standard-Einstiegskonfiguration für viele Pendler und Familienautos.

Demontage: Was kommt raus, was bleibt dran?#
Eine Teilfolierung wirkt einfacher als eine Komplettfolierung — aber Qualität entsteht auch hier durch saubere Demontage von Anbauteilen. Faustregel aus der Praxis:
Simon Schläpfer: „Alles, was nicht innerhalb von 10 Minuten ausgebaut werden kann, lasse ich dran — und arbeite darum herum." (Skript Fulltime PPF, Kap. Demontage von Fahrzeugteilen, S. 18)
Diese Regel gilt nur, solange die Qualität nicht leidet. In der Praxis heisst das für eine Teilfolierung:
- Türgriffe: Fast immer ausbauen — Folie unter den Griff legen, sonst sieht man die Kante.
- Spiegel-Gehäuse: Wenn die Folie über die Türfläche bis an den Spiegel geht, wird der Spiegel demontiert oder zumindest die Spiegelkappe abgezogen.
- Frontscheinwerfer: Beim Front-Paket teilweise problematisch. Der Übergang Folie/Scheinwerfer muss sauber sein. Vorsichtig demontieren, weil neuere Fahrzeuge nach dem Wiedereinbau eine Scheinwerfer-Einstellung und im Bordcomputer eine Quittierung brauchen können.
- Rückleuchten/Seitenblinker: Bei Full Body raus. Bei reiner Front-Folierung nicht relevant.
- Antennen, Dachreling, Chromleisten: Bleiben dran. Folie geht sauber bis an die Kante, nicht darunter.
Wichtig — die Überfolierungs-Falle. Aus dem PPF-Skript: Wer Folie über Stossstangen, Chromleisten oder Scheinwerfer „drüber" zieht ohne sauberen Abschluss, riskiert, dass die Folie sich später unter Spannung löst und nach aussen drückt. Saubere Folierung heisst: Kante absetzen, nicht überfolieren.
Schweiz-Sonderfall: Scheinwerfer und Rückleuchten#
Das bedeutet konkret: Pakete, die im Ausland „Headlight Protection" beinhalten, sind in der Schweiz nicht 1:1 übernehmbar. Bei der Auftragsvergabe an eine Werkstatt explizit nachfragen, ob sie das Paket entsprechend angepasst haben.
Premium-Marken 2026: Welche Folie für welches Paket?#
Die etablierten Premium-PPF-Marken bieten 2026 weitgehend ähnliche Spezifikationen: 8 mil Materialdicke, 10 Jahre Herstellergarantie, Self-Healing-Klarlack und rund 99 % UV-Schutz. Die wichtigsten Unterschiede liegen bei Übertragbarkeit, Optik, Preis und Verfügbarkeit:
| Marke | Garantie | Übertragbar | Stärken |
|---|---|---|---|
| XPEL Ultimate Plus | 10 Jahre | Ja | Marktführer, beste Werkstatt-Verfügbarkeit |
| 3M Scotchgard Pro | 10 Jahre | Ja | Etablierte Marke, weltweit verfügbar |
| STEK Dynoshield | 10 Jahre | Nein | Sehr gute Optik, beliebt bei Detailern |
| SunTek Ultra | 10 Jahre | Nein | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Oracal / Oraguard PPF2815GF+ | 5–7 Jahre | Nein | Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis im Shop, ideal für Einzelteile + DIY |
Unsere Empfehlung im Shop für Teilfolierungen: Für Einzelmodule (Türgriffmulden, Ladekante, Türkanten, Spiegel) und kleinere Front-Komponenten ist Oracal / Oraguard PPF2815GF+ unser Preis-Leistungs-Sieger — und das ist auch der Grund, warum wir diese Folie als Kernmarke führen. Wer ein professionelles Full-Front- oder Track-Pack auf einem Premium-Fahrzeug verlegen lässt, fährt mit XPEL, STEK, SunTek oder 3M typischerweise besser, weil 10-Jahres-Garantie und Self-Healing-Performance auf grossen Flächen mehr Gewicht haben.
Für die meisten Teilfolierungen funktioniert jede dieser Marken einwandfrei — die Wahl hängt von Werkstatt-Anbindung, Verfügbarkeit fahrzeugspezifischer Pre-Cut-Kits und der Frage „Übertragbarkeit beim Verkauf wichtig?" ab. Den vollen Vergleich aller Marken-Eigenschaften findest du im PPF-Marken-Vergleich. Für tiefere Front-Paket-Analyse empfehlen wir den Artikel Steinschlagschutzfolie Front-Paket, und konkrete Schweizer Preisbeispiele findest du im Artikel Lackschutzfolie Kosten Schweiz.
DIY-Alternative für Einzelteile#
Bei Einzel-Stellen wie Türgriffmulden, Türkanten, Ladekante oder Spiegel ist DIY mit etwas Geduld machbar. Material kostet bei diesen kleinen Teilen meist unter CHF 100, fahrzeugspezifische Pre-Cut-Stücke gibt es bei vielen Folien-Shops. Bei grösseren Flächen (Stossstange, Motorhaube) wird DIY anspruchsvoll: Materialdehnung, Postheating und Übergänge sind die Punkte, an denen Anfänger fast immer scheitern.
Für die kleinen, häufig nachgefragten Stellen entwickeln wir gerade unsere eigenen CARFOIL. Wrap-Kits — vorbereitete DIY-Sets mit fahrzeugspezifischem Material-Zuschnitt, Werkzeug, Reiniger und Schritt-für-Schritt-Videoanleitung. Erste Kits für Ladekantenschutz, Türgriffmulden, Türkanten und Schwellerschutz sind in der Pipeline. Wer die ganze Praxis von Grund auf lernen will, findet in unserer DIY-Anleitung Lackschutzfolie selber anbringen den Einstieg.
Unsere Rolle bei carfoil.ch#
carfoil.ch ist Folien-Shop und Schulungsanbieter, keine Folier-Werkstatt. Wir liefern Material und wir bilden in der Fulltime PPF Academy professionelle Folierer aus, die dann genau diese Pakete verlegen. Wenn du selber folieren willst — DIY oder professionell —, findest du das gesamte Sortiment im Shop.
Steinschlagschutzfolien im Shop ansehen →
Wenn du eine Werkstatt für die Montage suchst, empfehlen wir dir einen Fachbetrieb in deiner Region. Wir vermitteln auch gerne — viele Absolventen unserer Academy bieten genau diese Pakete in ihren Werkstätten an.
Fazit: Die richtige Teilfolierung beginnt mit der Risikoanalyse#
Bevor du einer Werkstatt einen Auftrag gibst, frag dich: Wo fährt das Auto? Wie oft Autobahn, wie viel Stadt, wie viel Schotter? Wie lange willst du das Auto fahren? Wie hoch ist der Wiederverkaufswert?
Für Stadtfahrer mit Kurzstrecken reicht meist ein Partial Front mit Türgriffmulden — Schutz für die Hauptzonen unter CHF 1'500. Für Pendler und Vielfahrer lohnt sich Full Front, weil die saubere Optik ohne Mittelkante über Jahre überzeugt — Budget CHF 1'870–3'500. Für Sportwagen-Fahrer und Track-Day-Enthusiasten ist Track Package das Optimum, weil Schweller und hintere Radläufe sonst die ersten Schäden zeigen — Budget CHF 2'500–4'500. Und für Premium-Fahrzeuge mit Wiederverkaufs- oder Leasing-Hintergrund rechnet sich Full Body, auch wenn das Investment bei CHF 3'000–8'000+ liegt.
Was in der Schweiz immer ausserhalb des Auftrags bleibt: Scheinwerfer und Rückleuchten. Das ist gesetzlich nicht zulässig (VTS Art. 73, MFK-Beanstandung, Bussen bis CHF 700). Wenn dir das jemand verkaufen will, frag explizit nach.
Wer die ganze PPF-Welt verstehen will — Pakete kalkulieren, Materialeinsatz berechnen, Demontage entscheiden, Postheating richtig setzen —, findet in unserer Academy die komplette Praxis. Aus genau dieser Erfahrung sind die Empfehlungen in diesem Artikel entstanden.
